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16. 12. 2017 - 14:06 Uhr

Der Schatz im Hanstein

Da die Hansteiner viele Ländereien besaßen und außerdem sehr raubgierig waren, verfügten sie auch über viel Geld. Damit es nicht gefunden werden sollte, versteckte man das Geld in den unterirdischen Verliesen der Burg, und so sollen dort auch heute noch große Schätze ruhen.

Vor weit mehr als hundert Jahren lebte in dem Burgdorf Rimbach eine arme Witwe. Ihre einzige Freude war ihr Sohn, ein Junge von 12 Jahren. Um ein wenig zum Lebensunterhalt beizutragen, hütete er die Schafe eines wohlhabenden Bauern.

Eines Nachmittags trieb er seine Tiere an den Abhang des Berges. Da die Tiere nicht weit laufen konnten, streckte er sich ins Gras und geriet ins Träumen. Er schaute auf die Überreste der alten Burg und stellte sich vor, wie wohl das Leben hier einmal abgelaufen sein könnte. Neugierig geworden, wollte er gern die Geheimnisse der Ruine ergründen. Er vermochte dem Gedanken nicht zu widerstehen, und da er sich auf seinen treuen Hund verlassen konnte, durchstreifte er das alte Bauwerk und gelangte schließlich in einen langen schmalen Gang. Nur sehr schwach drang noch etwas Tageslicht herein. Mit klopfendem Herzen tastete er sich vor einer verschlossenen Tür. Er versuchte sie zu öffnen, doch wollte ihm das nicht gelingen. Enttäuscht kehrte er um. Langsam ging er den Weg, den er gekommen war, zurück. Obwohl er nun schon viele Schritte getan hatte, kam er an kein Ende. Im Gang war es inzwischen völlig finster geworden. Mit vorgehaltenen Händen tastete sich der Junge weiter voran, konnte aber den Ausgang nicht wieder finden. Ermüdet setzte er sich auf einen Stein und schlief bald darauf ein. Als er erwachte, hörte er die ihm bekannten Schläge der Turmuhr vom haben Rimbach. Erfreut lauschte er und zählte 12 Schläge.

Doch kaum war der letzte Ton verklungen, da ging ein Poltern und Rumoren durch die alte Burg. Erschrocken führ der Junge zusammen, als es in dem engen Gang plötzlich taghell wurde. Vor dem überraschten Jungen stand ein riesenhaft aussehender Ritter in eiserner Rüstung und sagte zu ihm:

„Folge mir!“

Die Witwe hatte ihrem Sohn jedoch eingeschärft, niemals einem Fremden zu folgen, es sei denn „in Gottes Namen“. An diese Mahnung seiner Mutter dachte der Junge jetzt, und er fragte: „Geschieht es in Gottes Namen?“

Der Ritter bejahte die Frage und so folgte ihm der Junge. Der Weg führte abwärts über verschiedene Treppen und endete in einem großen Saal. An den Wänden standen ungezählte Truhen, angefüllt mit Gold und Silber. Der Ritter forderte seinen jungen Begleiter auf:

„Nimm so viel du willst!“ Als dieser zögerte, redete er ihn noch einmal an:

„Nun, so nimm doch in Gottes Namen!“

Da griff der Junge nach den Schätzen und stopfte in seine Tasche, soviel sich nur hineinstecken ließ. Der Ritter wandte sich um und ging zur Tür zurück, durch  welche sie den Saal betreten hatten. Eine Zeitlang durchwanderten sie kurze Gänge, erstiegen kurze und lange Wendeltreppen und gelangten wieder in jenen endlos langen Gang, in welchem der Junge schon am Nachmittag gewesen war.

Doch wieder war kein Ausgang zu sehen. Gerade wollte der Junge den Ritter fragen, wie er die Burg verlassen könne,  als die Turmuhr seines Dorfes die erste Stunde des neuen Tages anzeigte. So plötzlich wie der Ritter erschienen war, war er nun auch verschwunden.

Ratlos tastete sich der Hütejunge vorwärts, fand jedoch den Ausgang nicht. Ermüdet vom Tragen des schweren Schatzes, setzte er sich auf den Steinboden des Ganges und schlief ein. Als er erwachte, lag ein matter Dämmerschein in dem Gang. Der neue Tag sandte seine ersten Strahlen. Wieder tastete er sich vorwärts und gelangte schließlich zu einer Wendeltreppe, die er hinabstieg. An ihrem Ende kam er erneut in einen Gang und tastete sich weiter. Schließlich stand er in einem Gewölbe, das ihm bekannt vorkam. Es war der Keller des Bauern, bei dem er im Dienst stand.

Eilig lief der Junge nun zu seiner Mutter, die voller Freude darüber war, ihren vermissten Sohn wiederzuhaben. Er zeigte ihr den Schatz und erzählte von seinem Abenteuer. Bald war es im ganzen Dorf bekanntgeworden, und die Bewohner kamen um zu sehen, ob das Gerücht auf Wahrheit beruhte. Die Mutter des Jungen aber verwandte mit seinem Einverständnis einen Teil des Schatzes für die Armen des Dorfes. Mit dem anderen Teil aber erwarb sie für ihren Jungen einen Bauernhof, der gerade im Dorf zum Verkauf stand und sorgte so für seine Zukunft.