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16. 12. 2017 - 14:05 Uhr
Rusteberg
Rusteberg

Aureus und Justinus am Rusteberg

Zwei heilige Männer, Aureus und Justinus, waren zur Zeit des Attila in Mainz festgenommen worden. Es war ihnen aber mit Hilfe ihrer Wächter gelungen, aus dem Kerker zu entkommen. Ein Präfekt des Attila folgte den Flüchtlingen mit einer Anzahl Krieger, um sie schnellstens wieder zu fangen. Überall erkundigte er sich auf das genaueste nach ihnen und gelangte, stets dicht hinter ihnen, nach fünf Tagen zu einem vornehmen Herrn auf den Rusteberg. Dort erfuhr, dass die von ihm beschriebenen Flüchtlinge sich in dem nahe gelegenen Dorf Rustenfelde aufhielten. Ohne zu rasten eilte er dorthin, nahm die Unglücklichen gefangen, ließ von dem Schmied des Dorfes zwei Paar Schuhe aus Eisen, welche ihnen mit Stacheln versehen waren, anfertigen und ihnen anziehen. Zu seinem großen Ärger wurden die beiden heiligen Männer dadurch nicht verletzt, was ihn veranlasste, zwei eiserne Helme glühend zu machen und den Flüchtlingen auf den Kopf zu setzen. Da die Helme jedoch, ohne zu schaden, kalt auf die Erde fielen, ließ der Präfekt, noch immer in der Meinung, sei vom Glauben abbringen zu können, die Gefangenen in einen Wald, in dem wilde Tiere hausten, führen und sie dort an Bäume schmieden. Einigen seiner Leute aber befahl er, die benachbarten Bäume zu ersteigen und auf die Gefesselten Acht zu geben. Wenn diese angesichts der wilden Tiere erklären sollten, ihren Glauben abschwören zu wollen, so sollten die Gefangenen augenblicklich losgekettet und zu ihm geführt werden. Würden sie aber in ihrem Eigensinn beharren, so sollten sie ihrem Schicksal überlassen werden.

Die lauschenden Wächter sahen jedoch mit Verwunderung, dass die wilden Tiere zwar herbeikamen, aber die Gefesselten nicht berührten. Vor ihnen leuchteten plötzlich zwei helle Kerzen auf, Engel stiegen vom Himmel herab und beteten mit den Heiligen. Als dies am anderen Morgen der Präfekt erfuhr, ließ er Aureus und Justinus, welche zuvor noch Gott baten, ihren Verfolgern zu verzeihen, enthaupten.

Die Wächter, die im Walde bei den Heiligen gewacht und alles mit angesehen hatten, waren tief beeindruckt und entschlossen, auch Christen zu werden. Auf dem Rückweg nach Mainz fanden sie einen alten Priester und ließen sich taufen. Sie wurden aber, da ihre Bekehrung dem Präfekten bekannt wurde, gleichfalls hingerichtet.